Umlageverfahren
Umlageverfahren

Umlageverfahren – Beitragsberechnung und Erstattungsanspruch

Die Pflicht zur Teilnahme am Umlageverfahren folgt einer gesonderten rechtlichen Regelung.

  1. Teilnahme am Umlageverfahren
  2. Beitragsberechnung bei der Teilnahme am Umlageverfahren und Erstattungsanspruch

  3. Das Umlageverfahren bei Geringfügigkeit, Gleitzone, Kurzarbeitergeld und Mutterschaftsgeld

 

 

  1. Teilnahme am Umlageverfahren

    AN haben im Krankheitsfall und bei Mutterschaft einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Das bedeutet für AG einen
    Mehraufwand. Sie haben eine Zahlungsverpflichtung ohne eine Arbeitsleistung zu erhalten. Für kleinere Unternehmen kann das zu einer gravierenden finanziellen Belastung führen. Die Teilnahme am Umlageverfahren soll einen finanziellen Ausgleich schaffen. Das Umlageverfahren basiert auf dem Solidaritätsprinzip, obwohl nicht alle Unternehmen beteiligt sind.

 

Im Sozialversicherungsrecht wurden für das Umlageverfahren U1 und U2 verschiedene Festlegungen getroffen.

 

Das Umlageverfahren U1 soll für den AG eine finanzielle Entlastung sein, wenn er für einen kranken AN Lohn/Gehalt

zahlen muss.

 

An diesem Ausgleichs- und Entlastungsverfahren sind nur Unternehmen beteiligt, die regelmäßig weniger als 30 AN(berechnet auf Vollzeit) beschäftigen. In die Berechnung der Grenze werden alle AN des Betriebes, unabhängig von ihrer sozialversicherungsrechtlichen Stellung oder Krankenkassenzugehörigkeit, einbezogen.

 

Nicht mitzählen:

  • Auszubildende

  • Praktikanten

  • Volontäre

  • Bezieher von Vorruhestandsgeld

  • Mitarbeiter in Altersteilzeit

  • Heimarbeiter

  • Schwerbehinderte

  • Ausländische Saisonkräfte, die in ihrem Heimatland steuerpflichtig sind

  • Personen, die den Freiwilligendienst leisten

 

Bei Teilzeitbeschäftigten erfolgt die Berechnung auf der Basis der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit:

* bei mehr als 30 Stunden = 1 Faktor

* nicht mehr als 30 Stunden mit dem Faktor 0,75

* nicht mehr als 20 Stunden mit dem Faktor 0,5

* nicht mehr als 10 Stunden mit dem Faktor 0,25

 

 Beispiele für die Berechnung der Pflicht am Umlageverfahren teilzunehmen

1. Beispiel:

Ein Unternehmen beschäftigt / Lösung

19 Mitarbeiter in Vollzeit / 19 x 1 =19

2 Mitarbeiter mit 15 Wochenstunden / 2 x 0,5 = 1

5 Auszubildende / 1 x 0 = 0

5 Heimarbeiter / 1 x 0 = 0

Anzahl der anrechenbaren AN = 20

 

  1. Beispiel:

    Eine Bildungseinrichtung / Lösung

    beschäftigt

    15 Mitarbeiter in Vollzeit / 15 x 1 = 15

    520 Auszubildende (überbetrieblich) / 520 x 0 = 0

    Anzahl der anrechenbaren AN = 15

 

 

  1. Beispiel

    Eine Bäckerei hat 3 Läden / Lösung
    1. Laden

    4 Mitarbeiter mit 15 Wochenstunden / 4 x 0,5 = 2
    2 Mitarbeiter mit 32 Wochenstunden / 2 x 1 = 2

    2. Laden
    3 Mitarbeiter mit 10 Wochenstunden / 3 x 0,25 = 0,75
    2 Mitarbeiter in Vollzeit / 2 x 1 = 2

    3. Laden
    1 Mitarbeit in Vollzeit / 1 x 1 = 1
    3 Mitarbeiter mit 24 Wochenstunden / 3 x 0,75 = 2,25
    Anzahl der anrechenbaren AN = 10
    (3 Läden werden zusammen gerechnet)

  2. Beispiel

    Ein Unternehmer führt ein Einzelunternehmen Lösung

    und ist Miteigentümer eines Handwerkbetriebes

    a). Einzelunternehmen
    2 Mitarbeiter mit 8 Wochenstunden / 2 x 0,25 = 0,5
    Anzahl der anrechenbaren AN = 0,5

    b). Handwerkbetrieb

    25 Mitarbeiter in Vollzeit / 25 x 1 = 25

    2 Mitarbeiter mit 34 Wochenstunden / 2 x 1 = 2

    6 Mitarbeiter mit 25 Wochenstunden / 6 x 0,75 = 4,5

    Anzahl der anrechenbaren AN = 31,5

    (Beide Unternehmen werden getrennt gerechnet, keine Teilnahme am Umlageverfahren)

 

 

Am Umlageverfahren U2 für Mutterschutz müssen alle Unternehmen teilnehmen, auch Unternehmen die keine Frauen

beschäftigen.

 

  1. Beitragsberechnung bei der Teilnahme am Umlageverfahren und Erstattungsanspruch

     

    UmlageverfahrenDie Beitragshöhe richtet sich nach dem rentenversicherungspflichtigen laufenden Entgelt
    aller Mitarbeiter. Dazu gehören auch Auszubildende (im Unterschied zur Berechnung der Pflicht zur Teilnahme am Umlageverfahren). Hinzugezählt werden auch Entgelte, die an Schwerbehinderte und Geringfügig Beschäftigte gezahlt werden. Bei der Zahlung von Kurzarbeitergeld ist nur das tatsächlich erzielte Entgelt Arbeitsentgelt zu berücksichtigen. Diese Regelungen gelten für das Umlageverfahren U1 und U2 gleichermaßen.

 

Das Umlageverfahren U1 hat bis zu drei Beitragssätze, die jede KK jährlich neu festlegt. Diese drei Beitragsätze haben
drei unterschiedliche Erstattungsansprüche zur Folge. Jeder AG kann für sich einen Beitragssatz wählen.

 

Übersicht zu Beitragssätzen einiger Versicherungen

 

 

Beitrags-satz

Erstattungs-anspruch

Beitrags-satz

Erstattungs-anspruch

Beitrags-satz

Erstattungs-anspruch

Beitrags-satz

Erstattungs-anspruch

Barmer

1,20%

50,00%

1,70%

65,00%

3,10%

80,00%

0,38%

100,00%

AOK Plus

1,70%

50,00%

2,50%

65,00%

   

0,60%

100,00%

TKK

1,20%

50,00%

1,70%

70,00%

3,30%

80,00%

0,33%

100,00%

Knapp-schaft

       

0,70%

80,00%

0,14%

100,00%

 

Einzugsstelle ist jeweils die Krankenkasse, die der AN gewählt hat. Sofern der AN in einer privaten Krankenversicherung

versichert ist, kann der AG eine KK als Einzugsstelle wählen.

 


 

3. Das Umlageverfahren bei Geringfügigkeit, Berechnung nach der Gleitzone, Kurzarbeitergeld und

Mutterschaftsgeld

 

a) Geringfügige Beschäftigung: Auf das Entgelt, welches an Geringfügig Beschäftigte ausgezahlt wird, sind die U1 und

U2 zu zahlten.

b) Berechnung nach der Gleitzone: Erhält ein AN ein Entgelt, welches im Bereich der Gleitzonenregelung liegt, so ist bei der Berechnung von U1 und U2 vom ermittelten reduzierten beitragspflichtigen Entgelt auszugehen.

c) Kurzarbeitergeld: Sofern Kurzarbeitergeld gezahlt wird, erfolgt die Berechnung von U1 und U2 auf das tatsächlich ausgezahlte Entgelt. Die Leistungen der Arbeitsagentur und das ausgefallene Entgelt sind hier ohne Bedeutung.

d) Mutterschaftsgeld: Hat ein AG eine Zuzahlung zum Mutterschaftsgeld zu zahlen, so sind darauf auch Beiträge in der U1 und U2 zu zahlen.