Steuerfreie Zuwendungen vom AG

Steuerfreie Zuwendungen sind nicht gleich steuerfreie Zuwendungen, denn ihr Anwendungsbereich, ihre Berechnung und damit ihre Auswirkung auf den Auszahlungsbetrag des Beschäftigten kann sehr unterschiedlich sein.

Gängige Listen von steuerfreien Zuwendungen lassen ein Bild erscheinen, als wenn es Unmengen an Möglichkeiten gäbe. Ein genauer Blick verrät jedoch, dass es im konkreten Fall recht aufwendig sein kann, geeignete steuerfreie Zuwendungen zu finden.

Zunächst scheint mir der Versuch sinnvoll, verschiedene steuerfreie Zuwendungen zu systematisieren. steuerfreie Zuwendungen

a) Steuerfreie Zuwendungen ohne Begrenzung.

Diese Leistungen kann der Unternehmer geben, wenn die entsprechenden Grundvoraussetzungen dafür gegeben sind. Solche Leistungen erhöhen das Gesamtbrutto, jedoch nicht das Steuer- und Sozialversicherungsbrutto. Typische Beispiele sind:

Berufskleidung, Übernahme der Kosten für einen Kindergartenplatz und Fort- und Weiterbildungsgebühren (Kurskosten).

b) Steuer- und beitragspflichtige Leistungen, die der Unternehmer jedoch pauschal versteuert.

Im Lohnsteuerrecht führt die Pauschalierung der Lohnsteuer durch den Arbeitgeber (AG) dazu, dass der Beschäftigte keine Lohnsteuer zu zahlen hat und für Arbeitnehmer (AN) und AG eine Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung entsteht. Typische Beispiele sind: Fahrtkostenzuschuss durch den AG, Geringfügige Beschäftigung.

c) Steuerfreie Zuwendungen mit einem festgelegten Freibetrag.

Leistungen mit einem festgelegten Freibetrag werden häufig nach gesonderten Verfahren berechnet. Der Freibetrag bewirkt, dass die Zahlung bis zur Höhe des Freibetrages für AN und AG steuer- und beitragsfrei bleibt. Übersteigt die Höhe der Zahlung den Freibetrag, wird der überzahlte Teil steuer- und beitragspflichtig. Typische Beispiele sind: Abfindungen, Mutterschaftsgeld,

d) Steuerfreie Zuwendungen mit einer festgelegten Freigrenze.

Auch hier bewirkt die festgelegte Freigrenze Steuer- und Beitragsfreiheit. Wird die Grenze jedoch überschritten, so wird (auch rückwirkend) der Gesamtbetrag steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn. Typische Beispiele sind: Betriebsveranstaltungen, Sachbezüge.

Berechnungsbeispiele für steuerfreie Zuwendungen in den vier Bereichen

a) Steuerfreie Zuwendungen ohne Begrenzung.

Berufsbekleidung
Um steuerfreie Zuwendungen handelt es sich nur dann, wenn es typische Berufskleidung ist. Zur typischen Berufskleidung gehören Kleidungsstücke, die als Arbeitsschutzkleidung auf die jeweils ausgeübte Berufstätigkeit zugeschnitten sind, uniformiert ist oder dauerhaft Firmenkennzeichen enthält

Damit wird eine relativ klare Abgrenzung zur bürgerlichen Kleidung getroffen. Anerkannt als typische Berufskleidung wurden z.B.
weiße Kittel, Arztjacke und Hosen

mit Namenszeichen und Logo versehene Kleidung
typische Handwerkskleidung, z. B. Dachdecker

Nicht anerkannt wird Kleidung, die auch im Alltag getragen werden könnte. Das gilt auch dann, wenn diese tatsächlich nur beruflich genutzt wird.
Schwarze Rock und weiße Blusen im Hotelbereich
Jeans eines Bauingenieurs
Trainingsanzug eines Sportlehrers

Kindergartenplatz
Nach § 3 Nr. 33 EStG kann ein AG Mitarbeitern steuerfreie Zuwendungen (finanzielle Unterstützung) für die Unterbringung und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen gewähren. Allerdings müssen diese Kosten zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden.

Fortbildungskosten
Ein AG kann dem AN die Kosten für eine Fort- oder Weiterbildung als steuerfreie Zuwendungen ersetzen, wenn die Fortbildung im überwiegenden betrieblichen Interesse des AG liegt. Dies können Anpassungslehrgänge an technische Neuerungen sein, Fortbildungskurse zur Übernahme eines neuen Tätigkeitsfeldes, Sprachkurse für Auslandseinsätze oder auch Auffrischungskurse. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob die Weiterbildung am Arbeitsplatz oder in einer außerbetrieblichen Einrichtung stattfindet. Gleichfalls spielt es keine Rolle, ob die Teilnahme des AN an der Fortbildung auf Eigeninitiative erfolgte oder als Delegation durch den AG.

Einfacher ist, wenn bei Fremdschulungen die Rechnung direkt an den AG gestellt wird. Sollte die Rechnung an den AN gehen, ist eine schriftliche Zusage des AG zur Übernahme der Kosten vor Beginn des Lehrgangs zu erteilen und die Kopie der Fortbildungsrechnung ist den Lohnunterlagen beizulegen.

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b) Steuer- und beitragspflichtige Leistungen, die der Unternehmer jedoch pauschal versteuert.

Typische Beispiele für die Pauschalversteuerung von Arbeitslohn sind:

der Fahrtkostenzuschuss vom AG für den AN

und

die Geringfügige Beschäftigung.

* Beim Fahrtkostenzuschuss handelt es sich eigentlich um steuerpflichtigen Arbeitslohn. Nur wenn der AG diesen pauschal versteuert, entsteht für den AN weder eine Steuerlast noch Beiträge in der Sozialversicherung.

* Die Geringfügige Beschäftigung ist darauf angelegt über pauschale Sätze abgerechnet zu werden. Noch vor 10 Jahren war diese Art der Abrechnung für den AG recht attraktiv. Heute ist die Geringfügige Beschäftigung ein teures Arbeitsverhältnis.

c) Steuerfreie Zuwendungen mit einem festgelegten Freibetrag.

Freibeträge mindern in der Lohn- und Gehaltsabrechnung die Steuerlast. Ein großer Freibetrag gilt für die Lohnsteuer allgemein. So beginnt erst bei 850,00 € monatlichem Verdienst Lohnsteuer anzufallen (in Steuerklasse V und VI).

Auch bei der Zahlung einer Abfindung wegen Arbeitsplatzverlust gilbt es einen Freibetrag. Erst dann, wenn der Freibetrag überschritten wird, als mehr gezahlt wird als der Freibetrag vorgibt, fallen Steuern und Beiträge an.

d) Steuerfreie Zuwendungen mit einer festgelegten Freigrenze.

Zu den steuerfreien Zuwendungen mit eine Freigrenze gehören Aufmerksamkeiten.

Aufmerksamkeiten sind Sachzuwendungen des AG an den AN, ohne dass diese zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung führen. Aufmerksamkeiten sind kein Arbeitslohn und damit steuer- und beitragsfrei.

Allerdings gilt die feste Grenze von 40,00 € (Brutto) Maximum und es darf keine Geldzuwendung sein. Typisch sind Blumen, Genussmittel, Tonträgern, die aus einem bestimmten Anlass überreicht werden. Zu den Aufmerksamkeiten gehören auch Getränke oder Speisen, die der AG unentgeltlich oder verbilligt überlässt.

Wenn der Preis der Sachzuwendung die Freigrenze von 40,00 € übersteigt, so ist das Geschenk in voller Höhe steuer- und Beitragspflichtig, und zwar auch dann, wenn mit ihr soziale Zwecke verfolgt werden oder wenn sie dem AN anlässlich eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet wird.

Beispielrechnungen für Aufmerksamkeiten:

a) Ein AN hat ein Gehalt von 2.800,00 €. Zu seinem 50. Geburtstag erhält er eine Flasche Wein zu 18,00 € und ein Buch zu 20,00 €. Da die Grenze von 40,00 € nicht überschritten wird, können die Geschenke steuer- und beitragsfrei übergeben werden. Das Steuer- und SV-Brutto beträgt 2.800,00 €.

b) Ein AN hat ein Gehalt von 2.800,00 €. Zu seinem 50. Geburtstag erhält er eine Eintrittskarte zu einem Konzert zu einem Preis von 50,00 €. Da die Grenze von 40,00 € überschritten wird, ist das Geschenk steuer- und beitragspflichtig. Das Steuer- und SV-Brutto beträgt 2.850,00 €.