Kristina Schubert – Immer wieder zurück zu den Wurzeln

Als wir 1990 alle von der Hochschule entlassen wurden, war über Nacht der Traum einer Hochschulkarriere ausgeträumt.

Was aber geblieben war, war eine sehr gute 5-jährige Universitätsausbildung in Pädagogik. Und so begab ich mich kurzerhand als Dozent auf den Weiterbildungsmarkt. Ja, es war schon eine Umstellung von Studenten auf inhomogene Umschulungsgruppen. Im Laufe der Zeit habe ich dann alles unterrichtet – von Analphabeten bis zu Teilnehmer von Meisterkursen. Wie auch immer, es hat mir (fast) immer Spaß gemacht. Und ich habe dabei erfahren, wie unterschiedlich die Lernzugänge sein können. Was mich wiederum angeregt hat, mich intensiver mit Lehrmethodik zu beschäftigen.

Als ich mich 1998 auf den Weg in die Selbständigkeit machte, hatte ich eine gute und relativ sichere Arbeitsstelle. Doch eine Stimme in mir sagte, schaffe dir deinen eigenen Arbeitsraum. Ich wollte meinen Ideen und Vorstellungen nachgehen.
Da kam mir ein Zufall entgegen. Mein Mann machte mich auf eine Kleinanzeige aufmerksam, in der jemand für die Führung einer Privatschule einen Partner suchte. Ein halbes Jahr später war ich Gesellschafterin und Geschäftsführerin einer Sprachschule, hatte mehrere Mitarbeiter, über ein Dutzend Honorardozenten und über 200 Kunden in 20 Kursen zu koordinieren.

Dann traf ich eine Freundin und frühere Kollegin wieder. Sie erzählte mir von Leonardo und Equal. Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprach. Sie machte mich mit ihrem Chef bekannt. Seine Schulungseinrichtung arbeitete in großen staatlich geförderten Personal- und Organisationsentwicklungsprojekten und suchte gerade einen Projektleiter. Einer so reizvollen Aufgabe konnte ich natürlich nicht widerstehen. Vier Jahre lang begleitete ich die Junior-Geschäftsführerin einer Privatschule im Prozess der Geschäftsübernahme von der Mutter zur Tochter.

Es folgten weitere Beratungsprojekte im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung. Nun wusste ich auch, dass Leonardo und Equal die Namen von zwei großen europaweit geführten Projekten waren. Ich wurde zum Experten staatlich geförderter Projektarbeit. Wo auch immer es Geld für kleine und mittelständische Unternehmen gab – ich wusste es. Und ich sorgte dafür, dass es die erreichte, die es brauchten. Darunter waren auch viele Gründerinnen, die ich in den ersten Jahren ihrer Selbständigkeit begleitete.

Heute bin ich als Beraterin bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw), dem Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA), der Deutschen Gesellschaft für Gründerinnen (bga) und dem jüngsten Förderprogramm „unternehmeswert:Mensch“ anerkannt. Vorwiegend berate und coache ich Frauen in der Gründungsphase und bei der Unternehmensentwicklung. Dabei habe ich das Gefühl auch für mich angekommen zu sein. Diese Arbeit gibt mir die besondere Möglichkeit, mein Wissen in Form von Seminaren weiter zu geben, beratend zur Seite zu stehen und zu motivieren.

In Projekten arbeite ich noch immer, sofern sich eine Möglichkeit ergibt. Was mich daran reizt ist, dass ich über längere Zeit an einem Thema arbeiten kann und damit sehr strukturiert und systematisch vorgehen kann. Außerdem enthalten Projekte meist einen wissenschaftlich/theoretischen Anteil, was meine Neugierde und meinen Wissensdrang befriedigt.

Die private Sprachschule haben wir aufgegeben, weil mein Geschäftspartner in seine Heimat, die USA zurückgekehrt ist. Dafür habe ich mein eigenes Unternehmen gegründet: das Institut für Selbstmanagement und Innovation.

Als Dozentin für andere Einrichtungen arbeite ich nur noch selten. Weitestgehend habe ich den Klassenraum gegen die neuen Medien ausgetauscht. Über meinen Videokanal bei youtube vermittle ich Kenntnisse zu ausgewählten Gründungs- und Entwicklungsthemen. Zwischenzeitlich erhalte ich darüber auch Anfragen und Hilferufe, denen ich natürlich sehr gern nachgehe.

Von einer Hochschulkarriere träume ich nicht mehr. Ich habe mich arranchiert und einen Weg gefunden, all das was ich gelernt habe und gern tue miteinander zu verknüpfen. Als Kurzformel könnte das lauten: entdecken – lehren – begleiten.