Die kalkulatorischen Kosten werden nicht einfach festgelegt oder geschätzt. Sie werden berechnet. Und für die Berechnung gibt es feste Formeln und Berechnungsgrößen.

Gehen wir die einzelnen durch.

a) Für die Berechnung der kalkulatorischen Kosten – Zinsen wird das betriebsnotwendige Kapital herangezogen.

Die Formel lautet:

betriebsnotwendiges Anlagevermögen

( = Anlagevermögen zu kalkulatorischen Restwerten, ohne nicht betriebsnotwendiges AV wie Wohngebäude, still gelegte Anlagen…)

+ betriebsnotwendiges Umlaufvermögen

( = Umlaufvermögen ohne nicht betriebsnotwendige Teile wie spekulative Rohstoffvorräte oder Wertpapierbestände …)

– Abzugskapital

( = zinsfreies Fremdkapital wie Anzahlungen von Kunden, kurzfristige Rückstellungen …)

= betriebsnotwendiges Gesamtkapital

Auf das so ermittelte Gesamtkapital wird der für Kapitalanlagen übliche Zinssatz verrechnet.

Als Wertansätze für die Berechnung der kalkulatorischen Kosten – Zinsen kommen in Betracht:

  • nicht abnutzbares betriebsnotwendiges Anlagevermögen: Wertansatz = Anschaffungskosten
  • abnutzbares betriebsnotwendiges Anlagevermögen: Wertansatz = 1/2 Anschaffungskosten
  • betriebsnotwendiges Umlaufvermögen: Wertansatz = duchschnittlicher Buchwert

Beispiel:

Folgende Werte stehen in der Bilanz:

  • nicht abnutzbares Anlagevermögen = 100.000,00 €
  • abnutzbares Anlagevermögen = 40.000,00 €
  • Umfaufvermögen = 80.000,00 €
  • Eigenkapital = 70.000,00 €
  • Bankverbindlichkeiten = 120.000,00 €
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen = 30.000,00 €

Der Kalkulationszinssatz beträgt 3 %

Die Anschaffungskosten des abnutzbaren Anlagevermögens betragen 80.000,00 €

Das ausgewiesene Umlaufvermögen entspricht dem durchschnittlichen Umlaufvermögen des Geschäftsjahres.

Berechnung:

nicht abnutzbares Anlagevermögen                         100.000,00 €

+ abnutzbares Anlagevermögen                                  20.000,00 €

+ betriebsnötwendiges Umlaufvermögen                 80.000,00 €

– Abzugskapital                                                               30.000,00 €

betriebsnotweniges Gesamtkapital                          170.000,00 €

3% von 170.000,00 € =  5.100,00 €

b) Kalkulatorische Abschreibungen

Die bilanziellen Abschreibungen werden berechnet nach der Formel:

Anschaffungskosten / Nutzungsdauer

Die kalkulatorischen Kosten – Abschreibungen werden berechnet nach der Formel:

Wiederbeschaffungskosten / Nutzungsdauer

Die kalkulatorischen Abschreibungen beziehen sich also auf die Kosten der Wiederbeschaffung. Hier wird davon ausgegangen, dass sich im Laufe der Jahre die Kosten für den Neukauf erhöhen werden.

kalkulatorischen KostenBeispiel:

Ein betrieblicher PKW hat einen Anschaffungswert von 30.000,00 €. Bilanziell werden jährlich 5.000,00 € linear über 6 Jahre abgeschrieben. Nach den 6 Jahren wird mit Wiederbeschaffungskosten von 36.000,00 € gerechnet.

bilanzielle Abschreibung: Anschaffungskosten / Nutzungsjahre

30.000,00 € / 6 Jahre = 5.000,00 €

kalkulatorische Abschreibung: Wiederbeschaffungskosten / Nutzungsjahre

36.000,00 / 6 Jahre = 6.000,00 €

c) Kalkulatorische Wagnisse

Hinter den kalkulatorischen Kosten – Wagnisse stecken Einzelrisiken für mögliche Verluste. Die angesetzte Höhe ergibt sich aus Erfahrungswerten. Typische kalkulatorische Wagnisse sind:

Wagnis

Inhalt

Berechnungsgrundlage

Anlagenwagnis Unfälle, Brand, Explosionen, Zerstörung Anschaffungskosten
Vorräte-Wagnis Schwund, Diebstahl, Preisverfall Bezugspreise
Fertigungswagnis Außergewöhnlich hoher Ausschuss, Reparaturen im Kulanzbereich Herstellkosten
Vertriebswagnis Garantieverpflichtungen, Forderungsausfälle, Kursschwankungen Umsatz zu Selbstkosten

Ein kalkulatorisches Wagnis wird in zwei Schritten berechnet.

  1. Schritt: Berechnung des Zuschlagssatzes

Schwund x 100 % / Bezugspreis

oder

Forderungsausfall 100 % / Umsatz zu Selbstkosten

  1. Schritt: Kalkulatorische WagnisBezugspreis einer konkreten Zeiteinheit (Monat, Quartal, Jahr) x Zuschlagssatz

Beispiel:

In den letzten 5 Jahren (üblicher Zeitraum) traten in einem Unternehmen folgende Verluste aus Forderungen auf:

Jahr Umsätze
in €
Forderungs-
ausfälle in €
Verluste in %
der Umsätze
01 15.000,00 450,00 3,0
02 18.000,00 576,00 3,2
03 19.000,00 513,00 2,7
04 18.500,00 647,50 3,5
05 20.000,00 760,00 3,8

Das durchschnittliche Vertriebswagnis beträgt damit: 3,0+3,2+2,7+3,5+3,8 : 5 = 3,24 %

Im Jahr 06 wird mit einem Umsatz von 21.000,00 € gerechnet. Das Vertriebswagnis beträgt: 3,24 % von 21.000,00 € = 680,40 €.

d) Die kalkulatorischen Kosten – Miete für private Räume/Gebäude/Grundstücke, die betrieblich genutzt werden

Als kalkulatorische Miete wird der ortsübliche Mietpreis angesetzt.


e) Die kalkulatorischen Kosten – Unternehmerlohn


In Einzelunternehmen und Personengesellschaften erhalten keinen Lohn. Sie entnehmen sich zwar Gewinn, aber keinen Lohn/ Gehalt. Als Grundlage für den entgangenen Lohn wird das fiktive Gehalt einer anderen Person in einer vergleichbaren Position angenommen.