Allgemeine Behandlung von Entlassungsabfindungen

Entlassungsabfindungen gehören zum steuer- und beitragspflichtigen Entgelt. Dies ergibt sich aus § 19 Abs. 1 EStG, der regelt, dass auch Einkünfte als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen und Ersatz für die Aufgabe oder Nichtausübung einer Tätigkeit, zu den steuer- und beitragspflichtigen Einnahmen zählen.

Aus sozialen Erwägungen heraus wurden Entlassungsabfindungen jedoch steuerlich begünstigt und unterliegen der Berechnung nach der „Fünftelregelung“.

Entlassungsabfindungen werden in der Sozialversicherung als sonstige Bezüge behandelt. Sie sind damit voll beitragspflichtig. Allerdings sind Entlassungsabfindungen, die wegen Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses als Entschädigung durch den Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt werden, kein Arbeitslohn im Sinne der Sozialversicherung. Somit sind Entlassungsabfindungen in den vier Versicherungen – KV, PV, RV und ALV beitragsfrei.

EntlassungsabfindungenWie die Entlassungsabfindung nach der 1/5 Regelung berechnet wird

Für die Errechnung wird die „Fünftelregelung“ genutzt, die Lohnsteuerjahrestabelle benötigt und entsprechend das Jahresentgelt. Bei einer Entlassung mit einer Arbeitslosigkeit als Folge, kann das tatsächlich gezahlte Entgelt als Jahresentgelt gelten. Eine Hochrechnung auf das Jahr entfällt somit.

Z. B. Ein Mitarbeiter wird zum 30.09. xx entlassen und geht ab 01.10. xx in die Arbeitslosigkeit. Sein Verdienst betrug bis zum 30.09. xx 25.200,00 €. In diesem Fall werden die 25.200,00 als Jahresentgelt für das Berechnen angenommen.

In vielen Fällen kommt es vor, dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses und die Zahlung der Entlassungsabfindung zeitlich auseinander fallen. Nach Absprache ist es es durchaus möglich, eine Entlassungsabfindung erst im Folgejahr auszuzahlen. Die Versteuerung erfolgt dabei grundsätzlich nach dem Zuflussprinzip. Damit entsteht ein Spielraum für die steuerlichen Auswirkungen der Entlassungsabfindung.

Z. B. Ein Mitarbeiter wird zum 31.10. xx entlassen. AN und AG vereinbaren, die Entlassungsabfindung erst am 20.01. des Folgejahres auszuzahlen. Die Entlassungsabfindung wurde steuerwirksam auf einen späteren Zeitpunkt verschoben (BFH, Urteil v. 11.11.2009, BstBl H 2010 S. 746).

Der Inhalt des Videos

Wie eine Entlassungsabfindung nach der Fünftelregelung berechnet wird.

Die Pflicht zur Vergleichsrechnung zu Gunsten des AN

Da die LST nach dem Wortlaut des Einkommensteuergesetzes zu ermäßigen ist, darf die Fünftelregelung nur Anwendung finden, wenn die Steuerersparnis für den AN höher ist, als bei einer Abrechnung nach sonstigen Bezügen. Der AG hat daher eine Vergleichsrechnung durchzuführen (BMF-Schreiben v. 10.01.2000; BstBl I 2000 S. 138).

Z. B. Ein AN (LstKl I / 0) erhält eine Entlassungsabfindung von 2.900,00 €. Sein Jahresentgelt beträgt 29.100,00 €.

Entlassungsabfindungen nach der 1/5 Regelung berechnet
Jahresgehalt ohne sonstigen Bezug

26.100,00

1/5 d. Entlassungsabfindung

580,00

LST auf 26.100,00

3.034,00

Soli auf 26.100,00

166,87

LST auf 26.680,00

3.172,00

Soli-zuschlag auf 26.680,00

174,46

LST auf Entlassungsabfindung Differenz x 5

690,00

Soli-zuschlag auf Entlassungsabfindung

Differenz x 5

37,95

Entlassungsabfindungen nach sonstigen Bezug berechnet
Jahresgehalt ohne sonstigen Bezug

26.100,00

Entlassungsabfindung

2.900,00

LST auf 26.100,00

3.034,00

Soli auf 26.100,00

166,87

LST auf 29.000,00

3.739,00

Soli-zuschlag auf 29.000,00

205,64

LST auf Entlassungsabfindung

Differenz

705,00

Soli-zuschlag auf Entlassungsabfindung

38,77

Ergebnis: Die Abrechnung hat zu Gunsten des AN nach der „Fünftelregelung“ zu erfolgen.