Arbeitgeberdarlehen – Zinsersparnis und Zinserlässe

Das Arbeitgeberdarlehen

ArbeitgeberdarlehenUm ein Arbeitgeberdarlehen handelt es sich, wenn der AG einem AN eine Geldbetrag zur Verfügung stellt, der sonst typischerweise auch als Kredit aufgenommen werden könnte.

Kennzeichnend für ein Arbeitgeberdarlehen ist, dass dieses unabhängig von der sonstigen Entlohnung des AN erfolgt. Daher gelten Lohnvorschüsse, Abschlagszahlungen, Reisekostenvorschüsse u. ä. Zahlungen nicht als Arbeitgeberdarlehen.

Wird das Arbeitgeberdarlehen wie ein Kredit behandelt (Vertrag mit Laufzeit, Zinssatz, Tilgungsbeträge, Fälligkeit …), so ist das Arbeitgeberdarlehen selbst steuer- und beitragsfrei.

In der Lohn- und Gehaltsabrechnung erscheint das Arbeitgeberdarlehen als Verbindlichkeit gegenüber dem AG.

 

Die Verzinsung von einem Arbeitgeberdarlehen

Bei der Vergabe eines Arbeitgeberdarlehens hat der AG zu überprüfen, inwieweit der vereinbarte Kreditzinssatz den marktüblichen Konditionen entspricht. Entsprechend des Zwecks des Kredits veröffentlicht die Deutsche Bundesbank Effektivzinssätze. An diesen muss sich der AG orientieren.

Es gilt: Ein Arbeitgeberdarlehen ist steuer- und beitragsfrei, wenn das Arbeitgeberdarlehen die Freigrenze von 2.600,00 € nicht übersteigt. Eine Zinsersparnis liegt vor, wenn der erhobene effektive Jahreszins weniger als 4% beträgt.

Beispiele:

1. Ein AN erhält vom AG ein zinsloses Arbeitgeberdarlehen über 2.600,00 €. Es liegen keine weiteren Darlehensverträge vor.

Da die Darlehenssumme die Freigrenze von 2.600,00 € nicht übersteigt, fallen für den AN keine zusätzlichen Steuern und Beiträge an. Das Arbeitgeberdarlehen kann steuer- und beitragsfrei vergeben werden.

2. Ein AN erhält ein Arbeitgeberdarlehen über 15.000,00 € für die Finanzierung von Konsumgütern. Der Darlehenszinssatz beträgt 6%. Es wird eine Kreditlaufzeit von 5 Jahren vereinbart.

Zwar wird die Freigrenze von 2.600,00 € überschritten, der Darlehenszinssatz liegt jedoch über den marktüblichen Konditionen. Daher entsteht für den AN kein zu versteuernder g.w.V. Das Arbeitgeberdarlehen bleibt steuer- und beitragsfrei.

3. Ein AN erhält im August 2015 ein Arbeitgeberdarlehen für die Finanzierung von Konsumgütern über 15.000,00 € zu einem Effektivzins von 3%. Es wird eine Laufzeit von 5 Jahren vereinbart.

Da die Darlehenssumme die Freigrenze übersteigt und der effektive Zins unter den marktüblichen Konditionen liegt, entsteht für den AN ein steuer- und beitragspflichtiger geldwerte Vorteil (g.w.V.).

4. Ein AN erhält im Mai 2015 ein zinsloses Arbeitgeberdarlehen in Höhe von 2.600,00 € für die Finanzierung von Konsumgütern. Die Laufzeit beträgt 18 Monate. Im Juli 2015 erhält der AN ein weiteres zinsloses Arbeitgeberdarlehen in Höhe von 1.000,00 €. Auch für dieses Darlehen soll die Laufzeit 18 Monate betragen.

In den Monaten Mai bis Juni wird die Freigrenze nicht überschritten. Daher entsteht kein steuer- und beitragspflichtiger g.w.V. Ab Juli 2015 liegt die Darlehenssumme über der Freigrenze. Die beiden Darlehenswerte werden addiert. Es entsteht für den AN ein steuer- und beitragspflichtiger g.w.V. Nach Ablauf der 18 Monate für das 1. Darlehen sinkt die Darlehenssumme wieder unter die Freigrenze. Damit sind die letzten beiden Monate des 2. Darlehens wieder steuer- und beitragsfrei.

5. Ein An erhält mehrere Arbeitgeberdarlehen für die Finanzierung des Eigenheims. Alle Kredite haben eine Laufzeit von 10 Jahren.

Darlehenshöhe Effektive Zins
a) 25.000,00 € 1,00%
b) 50.000,00 € 2,00%
c) 25.000,00 € 3,00%

Für die Kredite b) und c) liegen die Zinssätze über den marktüblichen Konditionen. Damit sind beide Kredite für den AN steuer- und beitragsfrei. Lediglich der Kredit a) übersteigt den Freibetrag und unterschreitet die marktüblichen Konditionen. Für den Kredit a) entsteht ein geldwerter Vorteil. Ein Zusammenrechnung der drei Kredite entfällt.

Die Berechnung des steuer- und beitragspflichtigen g.w.V. für ein Arbeitgeberdarlehen

Für die Berechnung sind die Effektivzinssätze unter „Neugeschäft“ maßgeblich. Von dem entsprechenden Effektivzinssatz kann ein Abschlag von 4% vorgenommen werden. Aus der Differenz zwischen diesem Maßstabszins und den vereinbarten Zinsen sind die Zinsverbilligung und damit der g.w.V. zu ermitteln.

Beispiel

Ein AN erhält im August 2015 ein Arbeitgeberdarlehen in Höhe von 18.000,00 € zu einem Effektivzins von 1,5%, Laufzeit: 4 Jahre für den Kauf eines PKW.

Bei einer Laufzeit von 4 Jahren für ein Konsumentenkredit hat die Deutsche Bundesbank einen marktüblichen Zins von 4,98% ermittelt. Der Lohnzahlungszeitraum ist der Monat.

  1. Schritt: Ermittlung des Abschlages4,98 * 4% = 0,2%
  2. Schritt: Abzug des Abschlages
    4,98 – 0,2 = 4,78%
  3. Schritt: Ermittlung der Zinsverbilligung
    4,78% – 1,5% = 3,28%

    Danach ergibt sich für den August 2015 ein g.w.V. von 49,20 € (3,28% von 18.000,00 € * 1/12). Dieser ist im Monat August neben dem laufenden Arbeitsentgelt steuer- und beitragspflichtig.

Zinserlässe

Zinsersparnisse, wie bisher beschrieben, unterscheiden sich von Zinserlässen. Ein Zinserlass liegt dann vor, wenn ein AN bei einem Dritten, z. B. Einer Bank ein Darlehen aufnimmt und der AG die Zahlung der Zinsen für dieses Darlehen übernimmt. Für Zinserlässe gibt es keine Freigrenze und keinen Mindeststeuersatz. Zinserlässe sind grundsätzlich steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn.