Selbsterkenntnis
Tierische Hilfe im Entscheidungsfindungsprozess

Für meinen Entscheidungsfindungsprozess hatte ich ungewöhnliche Helfer

Der Sommer schickte seine letzten warmen Strahlen. In der Vergangenheit hatte ich schon mehrmals Pferde als Coach kennengelernt. Doch diesmal sollte alles anders werden, als ich bisher erlebt habe.

Und dies kam so: Von Elke wurde ich auf ein Pferdegut eingeladen – völlig normale Pferde und von den Rassen her bunt gemischt. Und diese Pferde sollten mir bei der Lösung meines Anliegens helfen?

Im Vorgespräch sprachen wir zunächst über die Situation und die gemachten Erfahrungen, die mich gedanklich beschäftigten. Mehrmals hatte ich interessante Ideen, begann daran inhaltlich und organisatorisch zu arbeiten – doch dann glitten sie mir förmlich aus den Händen. Partner, die ich mir gesucht hatte, orientierten sich plötzlich anders, andere Projekte kamen dazwischen und, und, und.

Jeder Entscheidungsfindungsprozess besteht aus drei Schritten, die durchlaufen werden müssen.

1. Der Kern vom Entscheidungsfindungsprozess

Im ersten Schritt wird der Kern des Problems oder der Situation definiert. Es wird hinterfragt, worum geht es. Was wissen wir über das Problem? Wie ist es zu diesem Problem gekommen? Was genau ist das Problem? Worin bestehen die Merkmale des Problems? Welche konkreten Ergebnisse sollen erreicht werden?

2. Wer ist alles am Entscheidungsfindungsprozess beteiligt

Im zweiten Schritt werden die Akteure identifiziert, die das Problem oder die Problemlösung beeinflussen. Wer oder was ist am Problem beteiligt? Welche Rollen haben die einzelnen Akteure im Prozess? Wer oder was ist noch beteiligt?

3. Die Entscheidung als Abschluss vom Entscheidungsfindungsprozess

Im dritten Schritt wird der Entscheidungsfindungsprozess abgeschlossen. Mit oder ohne Pferd – in jedem Fall ist hier Selbstreflexion nötig. Ehrlichkeit zu sich selbst ist gefragt. Wer das nicht kann, wird kaum ein annehmbares Ergebnis erzielen.

 

Auch wenn die Arbeit mit Pferden als Coach bereits sehr bekannt ist, gibt es kaum Berichte über den konkreten Ablauf eines solchen Coachingprozesses. Daher sind Verunsicherungen oft die Folge. Können Pferde überhaupt leisten, was versprochen wird? Wie wird vorgegangen? Was muss ich tun? Können die Pferde mir gefährlich werden?

Ich werde im Folgenden über einen konkreten Ablauf berichten. Es ist ein Erfahrungsbericht, wie ich durch den Entscheidungsfindungsprozess gegangen bin.

Auf der Koppel erwartete mich also eine gemischte Herde. Ich hatte nicht den Eindruck als hätten sie ein Interesse an mir und meinem Problem. Unbeirrt fraßen sie und trabten über das Gelände, spielten mit sich oder suchten neugierig nach etwas Umbekanntem.

Der Kern von meinem Entscheidungsfindungsprozess

Im Vorgespräch mit Elke erzählte ich ihr, was mich beschäftigte, woran ich gedanklich hing. Immer wieder, über mehrere Jahre verteilt, hatte ich mich bemüht, ein für mich bedeutendes Projekt durchzuführen. Doch was ich auch tat, es wollte nicht klappen. Nach kurzer Zeit landete ich immer wieder am Anfang. Der Anfang verlief prima, ich steckte mit meiner Begeisterung potenzielle Projektpartner an. Doch dann gingen sie mir verloren. Manche suchten sich eine andere Arbeit, manche hatten zwischenzeitlich ihre eigenen Ideen entwickelt, wiederum andere verzogen in eine andere Stadt oder wurden so krank, dass sie nicht weiter arbeiten konnten.

Während mir meine Partner verloren gingen, erhielt ich selbst verschiedene Projektangebote von Kollegen. Insofern nicht tragisch. Dennoch fragte ich mich, woran das wohl liegen könnte. Wiederholte ich unbewusst einen Fehler oder war es reiner Zufall? Diese Frage beschäftigte mich um so mehr, als ich ein neues Projekt plante. Ich wollte wissen, was ich tut kann, um diesmal mein Ziel zu erreichen. Sollte ich die Projektpartner sorgfältiger auswählen? Gab es im Prozess Hinweise, die ich übersehen hatte? War mein Plan nicht gut genug?

Nach unserem Gespräch schlug Elke vor, mit zwei Pferden zu arbeiten. Davon sollte eines meine Vision „spielen“ und eines meine Ziele.

Die Wahl meiner Akteure für den Entscheidungsfindungsprozess.

Wir gingen also gemeinsam über die Koppel. Wie Elke mir aufgetragen hatte, schaute ich mich in der Herde um. Welches dieser Pferde könnte wohl meine Vision sein und welches meine Zielsetzungen? Zunächst ging es an den Ponys vorbei. Mir schienen die Ponys zu klein, kaum würdig für meine große Vision. Ich hatte keine Vorstellung, wie ein geeignetes Pferd aussehen oder sein sollte. Ich ging einfach und ließ mich überraschen. Also weiter – quer über das Gelände.

Da stand Susi vor mir. Es war ein großes, weißes Pferd mit lauter schwarzen Flecken. Was das wohl für eine Rasse war? Egal. Ich kann nicht sagen warum, doch dieses Pferd schien mir passend zu sein. Ich streichelte dem Pferd über den Kopf und fragte: „Möchtest du meine Vision sein?“ Obwohl sich das Pferd wenig um mich kümmerte, sondern voll mit der Suche nach etwas Fressbarem beschäftigt war, nahm ich es als ein „ja“. Da kam Paul an. Ein neugieriges Pferd, welches wie ein kleines Kind dachte etwas zuverpassen. Er stellte sich neben mich und war voller Spannung, ob ich was habe. Paul war etwas kleiner als Susi, leicht grau meliert. Jemand hatte die Mähne zu lauter kleinen Zöpfen geflochten. Ich fragte: „Willst du meine Ziele sein?“

Paul schien zu nicken und bemühte sich sogleich um Kontakt zu Susi, meiner Vision. Diese jedoch schien das alles nicht zu kümmern.

Die tierischen Helfer

die-vision_Entscheidingsfindungsprozess

die-vision_Entscheidingsfindung

 

das-ziel_Entscheidungsfindungsprozess

das-ziel_Entscheidungsfindung

 

ablenkung-Entscheidungsfindungsprozess

ablenkung-Entscheidungsfindung

 

Der 3. Schritt von meinem Entscheidungsfindungsprozess.

Die Arbeit am Entscheidungsfindungsprozess begann damit, dass ich Susi meine Vision erzählte, so glaubte ich zumindest. Susi hörte mir nicht zu, das wusste ich genau, denn sie drehte ihre Ohren von mir weg. Also versuchte ich mein Glück mit Paul. Warum auch immer, während ich mich mit Paul beschäftigte, war mir die Vision davon getrabt. Meine Vision schien wirklich wenig interessiert zu sein. Ständig suchte sie auf dem Boden nach Fressbarem und ließ mich faktisch stehen.

Paul war da wesentlich aufmerksamer. Er blieb bei mir stehen und hörte zu, was ich zu erzählen hatte. Er schien mich auch gut zu verstehen und begann seine Rolle zu übernehmen. Als ich mich nach meiner Vision umdrehte, was sie verschwunden. Doch was war das? Paul trabte hinter meiner Vision her. Er versuchte sie einzuholen und dann in ihrer Nähe zu bleiben. Mal war die Distanz zwischen den beiden größer, mal kleiner. Immer wieder suchte Paul den Kontakt zu halten. Ich war überfordert und wusste nicht, was ich tun sollte.

Ich entschied mich schließlich, mich etwas zu entfernen und die beiden „Mitspieler“ aus einigen Schritten Entfernung zu beobachten. Ich sah ihnen zu, ohne wirkliche Erkenntnis. Doch plötzlich, ein kurzer, bewegter Schatten hinter mir. Ich zuckte zusammen, so überrascht war ich. Ich hatte nicht bemerkt, wie sich ein weiteres Pferd direkt hinter mich gestellt hatte. Elke fragte: „Was hat das plötzliche Auftauchen von Pepo bei dir ausgelöst?“ Intuitiv antwortete ich: „Er hat mich abgelenkt.“ Und genau so war es, meine Vision und meine Zielsetzungen waren verschwunden, sie hatten sich irgendwo auf dem Hof eine interessantere Beschäftigung gesucht. Und ich hatte es nicht bemerkt. Als ich wieder nach vorn sah, waren sie einfach verschwunden.

Das war der passende Moment für eine erste Selbstreflexion. Mir fiel ein, wie oft ich der Bitte nachgekommen bin, mich an fremden Projekten zu beteiligen. Es war natürlich schön, dass sie an mich dachten und die Projektinhalte waren auch gut und für mich interessant, doch durch die Mitarbeit hatte ich zu hohe Zeitverluste für meine eigenen Vorhaben.

 

Was konnte ich jetzt tun? Ohne wirkliches Ziel folgte ich meiner Vision. Ich konnte beobachten, wie „Zielepaul“ sich meiner Vision nähern wollte und die Ablenkung immer dazwischen kam. Er verhinderte förmlich das Zusammentreffen von Vision und Zielen. Ich frage mich, wieso mir die Vision nicht folgt, wieso sie nicht bei mir bleibt. Dann wurde mir klar, dass ich Susi nicht meine Vision, sondern eines meiner Zielsetzungen erzählt hatte. Es blieb mir nichts anderes, als es erneut zu versuchen. Ich ging also erneut zu ihr und erzählte ihr über meine wirkliche Vision. Susi, dieses große, kraftvolle Pferd stand mit erhobenem Haupt, königlich neben mir. Sie horchte mir aufmerksam zu, daran gab es keinen Zweifel. Ihre gesamte Zuwendung galt mir – da war kein Zögern, kein Impuls zum Wegrennen.

Was nun geschah, würde ich nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erfahren hätte. Kaum hatte ich mich mit meiner Vision verständigt, schmiss sich Pepo, die Ablenkung, in die nächstgelegene Kuhle und sielte sich. Elke meine nur: „Jetzt hat´s die Ablenkung umgehauen.“

Und was machte der „Zielepaul“? Zwischen ihm und der Vision waren die Blockaden weg, nichts stand mehr im Wege. Geradewegs lief „Zielepaul“ auf die Vision zu. Die beiden Pferde stellten sich Seite an Seite. Welch umwerfendes Ergebnis. Und das in nur 30 Minuten.


 

Entscheidungsfindung mit Elke RoßnerPraxis für ganzheitliche Psychotherapie (HpG) Y.Elke Roßner
Naumburger Str. 28
04229 Leipzig
Tel.:0163-4969035 oder 0341-3192414
http://www.yamuna-info.de/angebote/meine-therapeutische-arbeit-mit-pferden