Der Anlagespiegel für Wirtschaftsgüter

Der Anlagespiegel erfasst die Sachanlagen einer Firma oder einer Unternehmung und deren buchhalterischen Wert. Auch Freiberufler und KMU haben einen Anlagespiegel zu führen, sofern sie Sachanlage haben. Ein Anlagespiegel ist jährlich zu ergänzen und mit neuen Daten auszufüllen. Im elektronischen Formular der EÜR befindet sich der Anlagespiegel im Anlageverzeichnis Teil 2.

 

 

 

Der Inhalt vom Anlagespiegel

Typisch für den Aufbau und Inhalt von einem AnlAnlagespiegelagespiegel ist die Tabellenform, die jährlich fortgeführt wird.

Das Sachgut: Damit ist der Name des Gutes gemeint. Das kann ein PKW, eine Betriebsausstattung xxx, eine technische Sachanlage xyz u. s. w. sein. Im Anlagespiegel ist demnach jedes konkrete Sachgut aufzulisten.

Der Anschaffungs- oder Herstellungstag: Das konkrete Datum ist im Formular nicht gefragt. Im eigenen Anlagespiegel ist die genaue Kenntnis des Anschaffungs- oder Herstellungsdatums jedoch von Vorteil, weil sich so leichter Teilwertabschreibungen nachvollziehen lassen.

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten (Ako/Hko): Unternehmer/innen, die am Umsatzsteuerverfahren teilnehmen, tragen hier den Nettobetrag ein, wer nicht, den Bruttobetrag. Ein Anlagespiegel ist auch für Sachgüter zu führen, die selbst hergestellt werden.

Der Buchwert (BW) des vorhergehenden Wirtschaftsjahres: Sofern das Wirtschaftsgut im laufenden Kalenderjahr nicht angeschafft wurde, bringt es in das aktuelle Kalenderjahr einen BW mit. Dieser ermittelt sich aus den Ako/Hko abzüglich der Abschreibungsbeträge aller bisherigen Jahre.

Zuschreibungen: Werden auf ein Wirtschaftsgut nachträgliche Ako/Hko aufgewendet, muss dieser Aufwand auf die ursprünglichen Ako/Hko hinzugerechnet werden. Es handelt sich um nachträgliche Ako/Hko. Bei der Bemessung der Abschreibungshöhe für das Kalenderjahr der Entstehung der nachträglichen Ako/Hko, sind diese für das gesamte Kalenderjahr anzunehmen. Es spielt also keine Rolle, wann im laufenden Wirtschaftsjahr die nachträglichen Kosten entstanden sind. Die nachträglichen Ako/Hko werden zum Restbuchwert des Vorjahres hinzugerechnet. Die zukünftige AfA wird von diesem höheren Betrag berechnet.

Abgänge: Es kommt vor, dass ein Wirtschaftsgut frühzeitig aus der Firma ausscheidet – durch Verkauf, Entnahme oder Zerstörung. Im Anlagespiegel ist dies zu vermerken. In der Spalte Abgänge ist der letzte BW einzutragen, damit der aktuelle BW auf 0,00 € sinkt (sofern das Wirtschaftsgut physisch nicht mehr vorhanden ist).

AfA (Abschreibungen): Die Abschreibungshöhe im Anlagespiegel ermittelt sich aus den Ako/Nutzungsjahre. Die Nutzungsjahre sind gesetzlich vorgeschrieben und der AfA-Tabelle zu entnehmen. Im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung kann die AfA nur anteilig nach Nutzungsmonaten geltend gemacht werden.

Der BW des aktuellen Wirtschaftsjahres: Dieser Betrag im Anlagespiegel ergibt sich aus dem BW des Vorjahres und dem Abschreibungsbetrag des aktuellen Kalenderjahres und bildet die Grundlage für das nächste Wirtschaftsjahr.

 

Ein Praxis-Beispiel für nachträgliche Ako und Abgänge

Ein Unternehmer kauft im Januar 01 eine Druckmaschine zu einem Nettopreis von 80.000 EUR. Sie ist über 10 Jahre abzuschreiben. Im 2. Jahr der Nutzung fallen noch nachträglich 4.000 EUR Kosten an. In 03 wird sie zerstört.

Die Buchungen in 01

  1. Kauf der Druckmaschine

  2. AfA

  3. SB = Schlussbestand = BW

Die Buchungen in 01

Soll Maschinen Haben
1) 80.000 2) 8.000
   

 

Soll Bank Haben
  1) 80.000
   

 

Soll Abschreibung Haben
2) 8.000  
   

 

Die Buchungen in 02

AB = Anfangsbestand = BW aus 01

  1. Kauf = nachträgliche Erhöhung der Ako

  2. AfA neu berechnet (76.000 / 9 Jahre)

 

Soll Maschinen Haben
AB) 72.000 4) 8.4444
3) 4.000 SB) 67.556

 

Soll Bank Haben
  3) 4.000
   

 

Soll Abschreibungen Haben
4) 8.4444  
   

 

Im 3. Jahr wird sie durch einen Wasserschaden irreparabel beschädigt.

Die Buchungen in 03

 

Soll Maschinen Haben
AB) 67.556 5) 67.556
  SB) 0

 

Soll Abgänge Sachanlagen Haben
5) 67.556  
   

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Die Ako/ Hko als Grundlage für den Anlagespiegel

a) Aktivierungspflichtige Ako/ Hko für Erzeugnisse. Das Video erklärt die gesetzlichen Grundlagen und Formeln.

  1. Beispiel: Ako von Sachanlagen

Die Softdrink GmbH kauft am 01.10.2014 eine maschinelle Verarbeitungsanlage. Der Nettolistenpreis beträgt 8.000,00 €. In diesem Preis sind Transportkosten von 80,00 € und Schmierstoffkosten zur Wartung der Verarbeitungsanlage im Wert von 40,00 € enthalten.

Die Softdrink GmbH zahlt noch im Oktober unter Nutzung von 3% Skonto.

Die Berechnung der aktivierungspflichtigen Ako zum 01.10.14:

Nettopreis der Anlage

8.000,00

– Transportkosten

80,00

Listenpreis

7.920,00

– 3% Skonto

237,60

aktivierungspflichtige Ako und Basis für die Berechnung der Abschreibshöhe. Dieser Wert wird im Anlagespiegel als AKo eingetragen.

7.682,60

  1. Beispiel: Ako von Sachanlagen

Die Wichtel GmbH kauft am 01.09.2014 eine Holzverarbeitungsmaschine aus einem Drittland. Es werden 10% Rabatt auf den Listenpreis der Maschine gewährt.

Listenpreis ab Werk

55.000,00

Transportkosten

3.000,00

Zoll

1.290,00

Finanzierungsaufwand bei der Hausbank

4.400,00

Gemeinkosten in der Einkaufsabteilung

1.900,00

Die Wichtel GmbH zahlt unter Abzug von 2% Skonto auf den Listenpreis.

Die Berechnung der aktivierungspflichtigen Ako zum 01.09.14.

Listenpreis ab Werk

55.000,00

– 10 %Rabatt

5.500,00

– 2 % Skonto

990,00

+ Transportkosten

3.000,00

+ Zoll

1.290,00

aktivierungspflichtige Ako und Basis für die Berechnung der Abschreibungen. Dieser Wert wird auch im Anlagespiegel als Ako eingetragen.

52.800,00

Die Finanzierungskosten und die Gemeinkosten sind nicht aktivierungsfähig. Sie werden gesondert als Aufwendungen verbucht.

Der Anlagespiegel hat in der Finanzbuchhaltung in den Bestandskonten seine Basis

Bestandskonten sind Bilanzkonten. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass auch nur die Firmen, die bilanzieren, Bestandskonten erfassen. Das stimmt und stimmt auch nicht.

Wer z.B. ein Kassenbuch führt, führt ein Bestandskonto, denn die Barkasse ist ein Bestandskonto. Wer genau die Kontobewegungen auf dem Bankkonto verbucht, verbucht ein Bestandskonto.

Sehen wir uns also näher an, inwieweit Bestandskonten auch in der einfachen Buchführung, als Grundlage für die Ermittlung des Einnahmeüberschusses, ihren Platz haben.

Zur Vereinfachung und Systematisierung teile ich Bestandskonten in drei Gruppen.

1. Gruppe von Bestandskonten, die keine Rolle für den Anlagespiegel spielen

Zu dieser Gruppe gehören das Bankkonto, das Postgirokonto und die Barkasse. Für diese Bestandskonten ist typisch, dass sie einen Anfangs- (AB) und einen Schlussbestand (SB) haben. Sie werden am 01.01.XX mit ihrem Bestand vorgetragen.

Ein Beispiel: Am 31.12.01 hat das Bankkonto einen Bestand von 4.500,00 €. Dieser SB ist gleichzeitig der AB 01.01.02.

Die Verbuchungen der laufenden Geschäftsvorfälle, die die Barkasse betreffen, ersetzen das Führen eines manuellen Kassenbuchs.

2. Gruppe von Bestandskonten, die einen Teil im Anlagespiegel ausmachen können

Diese Gruppe bilden die beiden Privatkonten – Privateinlagen und Privatentnahmen. Diese beiden Bestandskonten haben keinen AB und keinen SB. Jedes Wirtschaftsjahr beginnt die Summierung auf diesen Konten neu. Sie spielen in der Einnahmeüberschussrechnung aus zwei Gründen eine Rolle. Teilweise werden sie beim Verbuchen von Aufwendungen oder Erlösen benötigt. Das ist immer dann der Fall, wenn die Bezahlung nicht über das betriebliche Bankkonto oder die betriebliche Kasse erfolgt. Dabei ist wichtig, dass Aufwendungen, die privat beglichen werden, dennoch als betriebliche Aufwendungen verbucht werden.

Ein Zusammenahng zum Anlagespiegel besteht dann, wenn ein privates Wirtschaftsgut in das Unternehmen überschieben wird (Privateinlage) oder ein betriebliches Wirtschaftsgut in das Privatvermögen abgegeben wird (Privatentnahme).

 

3. Gruppe von Bestandskonten, die im Anlagespiegel geführt werden

Diese Gruppe kann entsprechend des Unternehmens recht groß sein. Zu dieser Gruppe gehören alle Anlagegüter – wie der Fuhrpark, die Ladeneinrichtung, die Büroeinrichtung, Werkzeuge oder Maschinen.

Anlagegüter haben ebenso wie die Konten der 1. Gruppe einen AB und einen SB. Allerdings sind laufende Verbuchungen, also Buchungen innerhalb des Jahres, eher eine Seltenheit. Typisch ist, dass sie nur am Jahresende angesprochen werden, durch die Buchung der AfA. Die Abschreibungsbeträge gehören zu den Aufwendungen – und damit ist die Brücke zur Einnahmeüberschussrechnung geschlagen.

Einige Beispielbuchungen von Bestandskonten

a) Der Anfangsbestand

Bei dem verbuchen des AB steht das zu buchende Bestandskonto – Bank, Barkasse, Fuhrpark … – im SOLL. Das Gegenkonto im HABEN ist der sogenannte Saldenvortrag.

Es wird gebucht:

Bank an Saldenvortrag
Kasse an Saldenvortrag

b) Bewegungen zwischen den Bestandskonten

Umbuchungen zwischen Barkasse und Bank sind sehr typisch. Dabei gibt es nur zwei Möglichkeiten:

die Barabhebung – Es wird gebucht:

Barkasse an Bank

die Bankeinzahlung – Es wird gebucht:

Bank an Barkasse

c) Die AfA

Die Abschreibungsbeträge werden als Vorbereitung auf den Jahresabschluss verbucht. Die Abschreibungsbeträge werden in den Anlagespiegel übernommen.

Es wird gebucht:

Abschreibungen auf Sachanlagen an
Sachanlage (Fuhrpark / Büroeinrichtung …)

 

 

Das Lehrvideo zeigt sowohl die manuellen als auch die computergestützten Verbuchungen. Es wird erklärt, welche Buchungen von Bestandskonten in der einfachen Buchführung erforderlich oder nützlich sind und welche Auswirkungen die Buchungen auf die EÜR haben.

Bei der Verbuchung von Bestandskonten gibt es demnach zwei Fälle zu unterscheiden:

 

a) Geschäftsfälle, bei denen im SOLL (S) und im HABEN (H) ein Bestandskonto angesprochen wird. Für die Bank, das Postgirokonto und die Barkasse gilt dabei:

Bei einer wertmäßigen Erhöhung des Kontos, steht das Konto im S.

Beispiele:

Geld wird auf das Bankkonto eingezahlt – die Bank steht im S

Geld fließt in die Kasse – die Kasse steht im S

Es wird ein Anlagegut eingekauft – das Sachgut steht im S (Kauf wird im Analgespiegel erfasst)

Bei einer wertmäßigen Minderung des Wirtschaftsgutes, steht diese im H. (Minderung wird im Anlagespiegel erfasst)

Beispiele:

Geld wird von der Bank abgehoben – die Bank steht im H

Geld wird aus der Kasse entnommen – die Kasse steht im H

Es wird die Mietkaution zurückgezahlt – die Mietkaution steht im H

 

b) Geschäftsvorfälle, bei denen ein Bestandskonto und Erfolgskonto (Aufwand oder Erlös) angesprochen wird.

Hier gilt: Aufwendungen stehen immer im S und Erlöse stehen immer im H.

Beispiele:

Bei einer wertmäßigen Minderung des Wirtschaftsgutes, steht diese im im Konto des Wirtschaftsgutes im H erfasst. (Minderung wird im Anlagespiegel erfasst)