Errechnung der Gewinnschwelle für mein Unternehmen

Errechnung der Gewinnschwelle für meine Unternehmung

Sei es als Freiberufler oder Gewerbetreibende, jede Unternehmung muss auf die Erzielung von Überschuss orientiert sein. Doch wie ich in der Praxis immer wieder erfahre, wissen viele nicht, wie die Schnittstelle, an der aus Verlust Überschuss wird, errechnet werden kann. )

1. Die Rolle der Fixkosten bei der Ermittlung der Gewinnschwelle

Es ist fast wie bei einem Auto. Kaum hat man es gekauft, schon hat man Ausgaben – für die Versicherung, die Steuer und die Abschreibung. Genau so ist es in der Selbständigkeit. Miete für Räume, Telefonanschluss, Parkplatzreservierung, Versicherungen und Gebühren sind typische Ausgaben, die selbst ohne Einnahmen anfallen. Diese Ausgaben nennt man Fixkosten (fxKo). Fix – bedeutet soviel wie starr, regelmäßig, unabhängig von erbrachten Leistungen. Jede Selbständigkeit bringt demnach eine Reihe von Ausgaben mit sich, die zunächst über Einnahmen abgedeckt sein müssen. Eine andere Art von Ausgaben sind die variablen Kosten (vaKo). Diese fallen nur im Zusammenhang mit einem konkreten Auftrag an. Typische Beispiele sind Benzinkosten, Porto, Rechnungslegungskosten, Mahnkosten oder Rechtsanwaltskosten. Jede Unternehmung bringt also sowohl fxKo als auch VaKo hervor. Dabei verhalten sich vaKo und fxKo vollkommen anders. Während fxKo über das gesamte Jahr konstant bleiben, steigen die vaKO mit jedem Auftrag. An einem bestimmten Punkt kreuzen sich die Gesamtkosten mit den Erlösen. An diesem Schnittpunkt wird aus Verlust Überschuss.

GewinnschwelleWie man in dieser Grafik sieht, setzen die vaKo auf den fxKo auf. Die ersten Erlöse aus der Selbständigkeit sind demnach zunächst für die Deckung der fxKo.

2. Die Berechnung der Gewinnschwelle

Daraus ergibt sich die Frage, wie lässt sich dieser Schnittpunkt – die Gewinnschwelle – ermitteln.

Ein Beispiel soll diese verdeutlichen:

Was ist gegeben: Über die Selbständigkeit werden Honorare eingenommen. Pro Honorarstunde werden 50,00 € gezahlt. Die vaKo für Kopien, Benzin, … belaufen sich auf 20,00 € pro Stunde. Die vaKo des gesamten Jahres betragen 8.000,00 €. Die Berechnung der Gewinnschwelle: Gewinnschwelle = fxKo gesamt : (Deckungsbeitrag je Stück o. Stunden) = 8.000,00 : ( 50,00 – 20,00 ) = 267 Stunden

Das Resultat: Die Unternehmung beginnt ab einer Stundenanzahl von 267 Gewinn abzuwerfen.

 

3. Die Bedeutung der Gewinnschwelle für den Angebotspreis

Die exakte Trennung und Differenzierung zwischen vaKo und fxKo lässt auch die Beurteilung von Angebotspreisen zu. Es gilt: Die langfristige Preisuntergrenze ist der Angebotspreis, der die Gesamtkosten deckt. Aus der Selbständigkeit erwächst somit kein Gewinn. Auf die Dauer kann die Selbständigkeit mit diesem Angebotspreis nicht erhalten werden. Die kurzfristige Preisuntergrenze ist der Angebotspreis, der nur die variablen Stückkosten deckt. In ausgewählten Ausnahmen kann ein solcher Angebotspreis akzeptiert werden. Doch klar ist, dass ein Auftrag mit diesem Preis keinen Beitrag zur Deckung der fxKo liefert. Eine Fortführung der Selbständigkeit bei dieser Preislage ist unmöglich.

4. Die Vorgehensweise bei der Berechnung der Gewinnschwelle

Wer die Gewinnschwelle für die eigene Unternehmung ermitteln möchte, kann so vorgehen: a) Erstellen Sie sich eine Kostentabelle.

vaKo fxKo
Benzin x
Kfz-Steuer x
Büromaterial x
…..
Summe

b) Ermitteln Sie die vaKo und fxKo durch Addition der jeweiligen Spalteneinträge. c) Berechnen Sie die Gewinnschwelle nach der Formel, wie im Punkt 2 angegeben.